DSAG-Einschätzung zum Betrieb von SAP-Anwendungen in der Amazon Web Services-Infrastruktur

Walldorf, 21.11.2018 - Schon seit einigen Jahren sind die Amazon Web Services (AWS), das Cloud-Angebot von Amazon, für diverse SAP-Anwendungen zertifiziert. Nach Aussage von Amazon betreiben tausende SAP-Kunden ihre Systeme in der AWS-Infrastruktur, etliche davon produktiv. Die DSAG begrüßt Cloud-Migrationsprojekte – so sie denn der Effizienzsteigerung dienen. Ziel der Anwendervereinigung ist es, ihren Mitgliedsunternehmen auch hier als Plattform zum Austausch und zur Informationsgewinnung zur Verfügung zu stehen – z. B. mit der Arbeitsgruppe Amazon Web Services SAP auf AWS. Vor diesem Hintergrund geht die DSAG zunächst der Frage nach, welche Voraussetzungen zu schaffen sind, damit SAP-Kunden möglichst viel aus den Cloud-Infrastrukturen der Lösungsanbieter herausholen können.

Ob niedrigere Infrastrukturkosten, flexible Skalierung, bedarfsorientierte Nutzung oder der Zugriff auf vorgefertigte Dienste: Für die Nutzung der Cloud sprechen verschiedene Gründe. Daher hat auch SAP schon früh begonnen, neben seinen eigenen Cloud-Ambitionen Partnerschaften aufzubauen und arbeitet seit dem Jahr 2008 gemeinsam mit Amazon Web Services (AWS). Das Ergebnis: SAP-Anwender betreiben eine Vielzahl produktiver SAP-Workloads bei AWS. Für SAP-HANA-Anwender gibt es spezielle Angebote mit sehr großem Arbeitsspeicher (aktuell bis zu 12 Terabyte). „Als Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe ist es für uns daher unabdingbar, die Zusammenarbeit mit Amazon Web Services (AWS) zu suchen, um unsere Mitglieder mit einer eigenen AWS-Arbeitsgruppe bestmöglich zu unterstützen“, erläutert Otto Schell, stellvertretender DSAG-Vorstandsvorsitzender. Gleichzeitig ist die DSAG in enger Abstimmung mit SAP zu allen Belangen der SAP Cloud Platform und plant einen zentralen Arbeitskreis zu diesem Thema zu gründen.

Offenheit von SAP gegenüber Drittanbietern nutzen

Aus Sicht der DSAG können Anwenderunternehmen von einer Cloud-Migration beziehungsweise vom Aufbau einer hybriden SAP-Landschaft, die teils lokal, teils in der Cloud läuft, profitieren. Durch eine intelligente Nutzung wird die Cloud zum Innovationstreiber und ermöglicht durch permanent aktualisierte Technologien die Differenzierung vom Wettbewerb. Die von SAP gegenüber Drittanbietern demonstrierte Offenheit ist aus der Perspektive der DSAG lobenswert. Damit ergeben sich vor allem Vorteile für die SAP-Anwenderunternehmen, denen die freie Wahl des Infrastrukturanbieters bleibt.

Geschäftsvorteile durch die Cloud – unter Bedingungen

Einen wichtigen Aspekt gilt es jedoch vorab gründlich zu prüfen: „Cloud-Angebote wie AWS punkten unter anderem durch vorgefertigte Dienste, beispielsweise für Machine Learning oder das Internet der Dinge (IoT). Kunden müssen hier kein eigenes Know-how mitbringen, um von den Funktionen zu profitieren“, sagt Otto Schell, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Er ergänzt: „Je mehr solcher Dienste ein Anwenderunternehmen aber in die eigene Landschaft integriert, desto schwieriger wird es, den Cloud-Anbieter später zu wechseln.“

Dieser sogenannte „Vendor-Lock-in“ ist per se hinlänglich bekannt. Ohne tiefen Markteinblick fällt es Anwendern aber schwer abzuschätzen, wie aufwändig eine Migration zu einem anderen Cloud-Anbieter oder eventuell zurück ins eigene Rechenzentrum ausfallen kann. Oder es fehlt bereits an Wissen darüber, welche schlüsselfertigen Lösungen der jeweilige Cloud-Anbieter überhaupt im Angebot hat. Bleiben diese vorgefertigten Angebote ungenutzt, verschenken Cloud-Kunden unter Umständen Vorteile, die sie sich von der Migration ihrer SAP-Lösung erhofft haben. Die Arbeitsgruppe mit AWS bietet somit eine Plattform für den offenen und effizienten Informationsaustausch für die DSAG-Mitglieder.

Interessen der Anwender bündeln

„Die DSAG ist daher bestrebt, SAP-Anwenderunternehmen auch bei diesem Thema als Plattform zum Austausch und zur Informationsgewinnung zur Verfügung zu stehen – z. B. bei Themen wie Integration, Nachhaltigkeit oder Roadmap sowie Digitale Plattformen mit AWS“, erläutert Jean-Claude Flury, DSAG-Vorstand Business Networks Integration. Auf Basis des Auftrags ihrer Mitglieder könnte die DSAG frühzeitig auf AWS zugehen, um beispielsweise die künftige Ausgestaltung weiterer Services im Kontext von SAP Leonardo zu diskutieren. „Dabei befindet sich die DSAG in der Position, Anbietern wie Amazon Web Services konkrete Anforderungen von Kunden aus allen Segmenten gebündelt kommunizieren zu können, um so die Praxistauglichkeit der Angebote zu maximieren“, so Jean-Claude Flury. Im Jahr 2017 hat AWS 1.430 neue Services und Features eingeführt. Circa 90 Prozent davon basieren auf konkreten Kundenanforderungen, wie z.B. die 12-Terabyte-HANA-zertifizierte-Instanz.

Als neutrale Instanz und Stimme der Anwender setzt sich die DSAG für Offenheit ein, die seitens der Anbieter erbracht werden muss, um Nutzern eine möglichst leistungsstarke, effiziente Umgebung bieten zu können. „Die Diskussionen um die Digitalisierung haben bewiesen, dass auf einzelne Anbieter oder Dienstleister zugeschnittene Lösungen auf wenig Gegenliebe bei Kunden stoßen“, sagt Otto Schell. „Genau wie Anwenderunternehmen ein offenes Ohr für Techniktrends haben sollten, müssen Anbieter wie AWS und SAP offen sein für die Anforderungen ihrer bestehenden und potentiellen Kunden“, so das DSAG-Vorstandsmitglied.

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