DSAG-Statement: GAIA-X als Chance für die Digitalisierung der Öffentlichen Verwaltung

Mit GAIA-X soll eine leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa geschaffen werden. Aus Sicht der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) eine sinnvolle Initiative, die sie aus verschiedenen Perspektiven in einem Positionspapier bewertet hat. Eine Einschätzung am Beispiel der Öffentlichen Verwaltung zum Potenzial des Netzwerks auch im Hinblick auf die Corona-Krise gibt Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector.

„Der Einsatz von Cloud-Diensten ist in der Öffentlichen Verwaltung mit vielen Herausforderungen und Unbekannten verbunden. Deshalb wird die Cloud nur selten eingesetzt und die Öffentliche Verwaltung gerät im Hinblick auf die Digitalisierung ins Hintertreffen. Ein wesentlicher Punkt, der hier eine Rolle spielt, ist, dass die Souveränität von Daten und Systemen gewahrt bleiben muss. Vor diesem Hintergrund hätte ein europäisches Modell wie GAIA-X großes Potenzial. Deshalb werden wir uns als Anwenderverband auch in den Arbeitsgruppen innerhalb der Initiative einbringen, um sicherzustellen, dass die Stimme unserer Mitglieder berücksichtigt wird.

Die Plattform könnte außerdem ein guter Ansatzpunkt sein, Innovationen in der Verwaltung zu fördern. Die meisten Plattformen für Prototyping und Innovationen laufen in der Cloud. Schwierig ist jedoch der dezentrale Ansatz. Das Projekt sieht die Vernetzung dezentraler Infrastrukturdienste, insbesondere Cloud- und Edge-Instanzen, zu einem homogenen, nutzerfreundlichen System vor. Es wird also kein zentrales Rechenzentrum gebaut. Da stellen sich aus Sicht der Öffentlichen Verwaltung die Fragen: Wer nimmt teil? Welche Voraussetzungen zur Teilnahme gibt es? Und wie schnell kann ein homogenes System aufgebaut werden?

Die Corona-Krise macht deutlich, wie abhängig Europa von Produkten und IT-Services außereuropäischer Anbieter ist. Viele organisieren im Homeoffice ihre Arbeits- und Abstimmungsprozesse mithilfe digitaler Tools und Technologien, die nur selten aus Europa stammen. Videos, Chats, Kalender- und Online-Kollaborationslösungen sind gefragter denn je. Auch das begründet, warum mehr Eigenständigkeit und damit mehr digitale Souveränität mit Hilfe des Staates und der europäischen Union notwendig sind. Der richtige Weg könnte hier GAIA-X sein.

Eine zertifizierte Umgebung für den Öffentlichen Dienst ohne Abhängigkeiten zu einzelnen Anbietern hätte große Vorteile auch hinsichtlich der Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Viele Kunden könnten von einem vertrauensvollen Anbieter profitieren. Für die Öffentliche Verwaltung sehen wir die GAIA-X-Initiative deshalb als große Chance. Datenpools, um Daten über Länder hinweg auszutauschen, sind sinnvoll und richtig – und das nicht nur, um Terrorismus zu bekämpfen, sondern auch für unterschiedliche Register, die durch die Verwaltungen geführt werden. Stichworte sind hier Polizei, Steuerverwaltung oder Migration. Es sollte darüber hinaus ein attraktives Angebot geben, um die Transformation von Verwaltungen schneller voranzutreiben und gegebenenfalls innovative Themen ohne kosten- und zeitintensive Vergabeverfahren umzusetzen. Wenn das gewährleistet ist und GAIA-X als das Ökosystem für kritische Aufgaben in der EU vorgegeben wird, hat die Plattform garantierte Kunden und somit auch Potenzial, ausgebaut zu werden.

Darüber hinaus könnten durch GAIA-X Innovationen gefördert werden, die aktuell noch gehemmt werden. Ich denke hier z. B. an den Einsatz der SAP Cloud Platform innerhalb der GAIA-X-Infrastruktur. Derzeit ist der Einsatz von SAP-Cloud-Lösungen wie SuccessFactors oder Concur als Public-Cloud-Deployment für den Öffentlichen Dienst nicht möglich. Hier könnte GAIA-X eine Deployment-Option sein und eine gesicherte Umgebung für die Cloud-Dienst von SAP bieten.“

 

Mehr zum Thema bieten das DSAG-Positionspapier „GAIA-X – Auf dem Weg zu einer euro­päischen Cloud- und Dateninfrastruktur“ und die Pressemitteilung zur DSAG-Verbandsposition.