Österreichs SAP-Anwender nutzen Corona-Krise und treiben Digitalisierung voran

Walldorf/Wien, 12.10.2020 - Die Corona-Krise geht an den österreichischen DSAG-Mitgliedsunternehmen wirtschaftlich nicht spurlos vorbei, wird jedoch zum Treiber der Digitalisierung. Zudem hat SAP über alle Unternehmensbereiche hinweg eine hohe Relevanz für die Digitalisierung der Kernprozesse. Das ergab eine Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) zur DSAGLIVE.

Seit der erste Corona-Fall weltweit bekannt wurde, hat sich auch für die österreichischen Unternehmen vieles verändert. „Kleinere und mittelständische Unternehmen sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft. Die hat die Krise besonders hart getroffen“, so Walter Schinnerer, DSAG-Fachvorstand Österreich. 88 Prozent der österreichischen Befragten (DACH: 74 Prozent) gaben in einer DSAG-Umfrage an, dass ihr Umsatz zurückgeht bzw. sogar stark zurückgeht. Lediglich bei 12 Prozent (DACH: 7 Prozent) steigt der Umsatz. Während die Krise im DACH-Raum immerhin bei einem Fünftel der Befragten keine Auswirkungen zu haben scheint, gab dies in Österreich keines der Unternehmen an.

IT-Budgets für 2021 eher rückläufig

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass sich die IT-Budgets für 2021 in den Unternehmen zum Teil rückläufig entwickeln. 18 Prozent (DACH: 16 Prozent) der Befragten gaben an, dass sie mit einem Rückgang um mehr als 20 Prozent rechnen. 76 Prozent (DACH: 76 Prozent) geht davon aus, dass sich das IT-Investitionsbudget 2021 nicht verändert und bei einem weiteren 6 Prozent steigt es sogar um über 20 Prozent. Eine Steigerung erwarten im gesamten DACH-Raum hingegen nur etwa 2 Prozent der Befragten. „Man muss allerdings berücksichtigen, dass wir bei dieser Frage Rückmeldungen von 17 Unternehmen aus Österreich haben und diese zu Rückmeldungen von 262 Unternehmen im gesamten DACH-Raum in Relation setzen. Hier können durchaus Einzelmeinungen die Zahlen beeinflussen“, so Walter Schinnerer. Nichtsdestotrotz glaubt der Ländervorstand, dass einige Unternehmen Notwendigkeiten und Chancen in der Krise erkannt haben, um ihre Prozesse und Geschäftsmodelle zu überarbeiten.

Digitalisierung wird vorangetrieben

Auch die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung haben laut 68 Prozent (DACH: 81 Prozent) der Befragten in den österreichischen Unternehmen zugenommen. „Bei der Umstellung auf Homeoffice wurde z. B. in einer Breite und Geschwindigkeit agiert, die vorher unvorstellbar war“, ordnet Walter Schinnerer ein und ergänzt: „Diesen Trend haben Studien in den letzten Jahren immer wieder belegt. Es überrascht daher nicht, dass in Österreich weniger Unternehmen als im DACH-Raum angegeben, dass die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung steigen. Fixe Kernzeiten und flexible Angebote wie Homeoffice wurden schon vor Corona gängiger.“

So erstaunt es auch nicht, dass fast drei Viertel der Befragten (DACH: 61 Prozent) angaben, dass sie im Vergleich zum Vorjahr bezogen auf die Digitalisierung Fortschritte gemacht haben. Lediglich 21 Prozent (DACH: 34 Prozent) gaben an, nur langsam voranzukommen, und nur 5 Prozent (DACH: 5 Prozent) kommen nicht voran oder haben derzeit andere Prioritäten. „Anfang des Jahres sah das noch anders aus. Laut DSAG-Investitionsreport 2020 bewertete mehr als die Hälfte der Befragten ihr Unternehmen als ‚nicht sehr weit‘, wenn es um die digitale Transformation geht“, erinnert sich Walter Schinnerer.

Effizienz bestehender Prozesse steigern

Besonders dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die Digitalisierung im SAP-Kontext sieht ein Drittel der österreichischen Befragten (DACH: 36 Prozent) darin, neue digitale Geschäftsmodelle und Services zu entwickeln. Zum Vergleich: 2019 sahen dies 42 Prozent (DACH: 40 Prozent) als wichtig an. Zu den größten Treibern für Digitalisierungsprojekte österreichischer Unternehmen zählte mit 58 Prozent (DACH: 62 Prozent) der Wunsch, bestehende Prozesse effizienter zu machen. In diesem Jahr sehen hier sogar 73 Prozent (DACH: 72 Prozent) Handlungsbedarf. Ebenso mehr als ein Fünftel (DACH: 24 Prozent) hält es für notwendig, die Beziehung von Kunden und Partnern zu flexibilisieren, also eine Plattform-Strategie zu haben und 33 Prozent der Befragten (DACH: 28 Prozent) sehen es als wichtig an, Informationen transparent zu machen. „Corona hat gezeigt, dass intelligente Netzwerke aus Lieferanten und Partnern sowie übergreifende Prozessabläufe und gemeinsame Datennutzung bedeutsam sind“, ordnet Walter Schinnerer ein.

Daher überrascht es den Ländervorstand auch nicht, dass laut Umfrage 42 Prozent (DACH: 58 Prozent) der Befragten die Umsetzung einer Plattform-Strategie. weiter konsequent vorantreiben. Lediglich ein knappes Drittel (DACH: 24 Prozent) der Unternehmen verschiebt oder überdenkt die Umsetzung einer solchen Strategie, welche Themen wie Integration, Erweiterungsfähigkeit, Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Umsetzung von Innovationsprojekten umfasst.

Wenig Vertrauen in SAP-Produktstrategie und -Roadmaps

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, ob sie die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps im Hinblick auf Investitionssicherheit und Planbarkeit als belastbar ansehen und ihr vertrauen. Während sich hier 2019 noch 35 Prozent der österreichischen Mitglieder (DACH: 24 Prozent) von SAP gut informiert fühlten, sehen dies jetzt nur noch 28 Prozent (DACH: 31 Prozent). 22 Prozent (DACH: 42 Prozent) vertrauen der Produktstrategie teilweise. Letztes Jahr taten dies in Österreich noch 47 Prozent (DACH: 45 Prozent). Während 2019 nur etwa 18 Prozent der österreichischen Umfrageteilnehmer (DACH: 31 Prozent) kein Vertrauen in die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps hatten, ist es dieses Jahr die Hälfte (DACH: 27 Prozent). „Die Kunden benötigen jetzt mehr denn je vorausschauende und verlässliche Informationen. SAP hat viel getan hinsichtlich Gesamtszenarien der SAP-Produktlandschaft und klarer Roadmaps. Doch was die Kommunikation anbelangt, ist noch Luft nach oben“, so Walter Schinnerer. Hier sieht er SAP gleichermaßen wie die DSAG in der Pflicht, die Kunden abzuholen und bei ihren Digitalisierungsbestrebungen zu unterstützen.

S/4HANA bleibt Grundlage für digitale Transformation

Die DSAG hatte in einem Statement zu Corona bereits vorausgesagt, dass die Krise vermutlich auch Auswirkungen auf S/4HANA-Projekte haben wird. Laut DSAG-Umfrage gaben fast 60 Prozent der österreichischen Unternehmen an, dass S/4HANA-Projekte bzw. -Roadmaps verschoben oder sogar prinzipiell zurückgestellt werden (DACH: 43 Prozent). Bei knapp der Hälfte (DACH: 50 Prozent) werden die S/4HANA-Projekte beschleunigt oder konsequent vorangetrieben. „Das bestätigt das Ergebnis aus dem Vorjahr. Viele sehen S/4HANA zunehmend als Grundlage für die digitale Transformation“, so Walter Schinnerer.

SAP bei Digitalisierung von Kernprozessen gesetzt

Erstmals wurde auch die Relevanz von Anbietern für die Digitalisierung der Kernprozesse auf der Anwendungsebene in unterschiedlichen Unternehmensbereichen abgefragt. Hier hat SAP in der Regel die höchste Relevanz – gefolgt von Microsoft und Google. Anders sieht dies lediglich in den Bereichen Umwelt und Nachhaltigkeit aus. Die höchste Relevanz weisen die österreichischen Unternehmensvertreter dort Microsoft mit 26 Prozent (DACH: 11 Prozent) zu. An zweiter Stelle folgt Google mit 21 Prozent (DACH: 5 Prozent) und erst dann SAP mit 16 Prozent (DACH: 14 Prozent).

SAP besonders relevant für produzierendes Gewerbe

Bei der Flexibilisierung der Lieferketten gaben 74 Prozent (DACH: 65 Prozent) an, dass SAP hier hohe bzw. sehr hohe Relevanz hat, wohingegen das nur 32 Prozent (DACH: 19 Prozent) über Microsoft, 11 Prozent (DACH: 3 Prozent) über Google und 5 Prozent (DACH: 9 Prozent) über Amazon sagten. Ähnlich sieht dieses Bild bezogen auf die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten aus. Hier wiesen 79 Prozent (DACH: 72 Prozent) SAP eine hohe bzw. sehr hohe Relevanz zu. Microsoft hielten 42 Prozent (DACH: 37 Prozent), Google 16 Prozent (DACH: 6 Prozent) und Amazon 5 Prozent (DACH: 11 Prozent) für relevant für die Digitalisierung dieser Kernprozesse. „Fast 70 Prozent der österreichischen Umfrageteilnehmer stammen aus dem produzierenden Gewerbe. Die Fertigungsindustrie verwendet SAP meist sehr umfangreich. Es hängen Produktionsplanung und Produktionsausführende-Module daran, Arbeiter und viele reale Prozesse werden unterstützt. Zumeist sind die Unternehmen stark SAP geprägt, weshalb sie auch mit SAP planen zu digitalisieren“, ordnet Walter Schinnerer ein.

Gleiches gilt auch für die Digitalisierung von Finanz- und Zahlungsabwicklung. Hier halten 79 Prozent der österreichischen Befragten (DACH: 77 Prozent) SAP für relevant bzw. sehr relevant. Amazon mit 11 Prozent (DACH: 5 Prozent) sowie Google und Microsoft mit jeweils 5 Prozent (DACH: 5 und 6 Prozent) sind abgeschlagen. „In den 1970er Jahren hat SAP das erste Modul zur Finanzbuchhaltung auf den Markt gebracht. Unternehmen sind mit den SAP-Lösungen in diesem Bereich quasi groß geworden“, sagt Walter Schinnerer.

Ebenfalls ungeschlagen hinsichtlich der Relevanz für die Digitalisierung ist SAP mit 79 Prozent (DACH: 66 Prozent) bei den Human-Resources-Prozessen. Abgeschlagen auf Platz 2 folgt Microsoft mit 21 Prozent (DACH: 9 Prozent).  „Dass Kunden die On-Premise-Lösungen für das Personalwesen SAP Human Capital Management (SAP HCM) und Travel Management für das Reisekosten-Management integriert in S/4HANA betreiben können, hat Planungssicherheit gegeben“, sagt Walter Schinnerer. Diese Planungssicherheit wünscht sich die Interessenvertretung auch in anderen Bereichen. Daher wird die DSAG weiter im konstruktiv-kritischen Dialog mit SAP stehen, um gemeinsam auf verlässliche Produkt- und Technologiestrategien als Grundlage für Investitionssicherheit und Planbarkeit sowie belastbare Roadmaps und Migrationspfade hinzuarbeiten.

 

*Erhebungsgrundlage der Umfrage
Die DSAG hat im Sommer eine Online-Umfrage bei SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Befragt wurden CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Knapp die Hälfte der Befragten kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 5.000 Mitarbeitern. Knapp ein Drittel aus Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten. Insgesamt nahmen 262 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen an der Umfrage teil. Aus Österreich beteiligten sich 19 Unternehmen. Befragt wurde jeweils ein Ansprechpartner pro Unternehmen.