Schweizer treiben trotz Corona-Krise S/4HANA-Projekte und Digitalisierung weiter voran

Zürich/Walldorf, 12.10.2020 - Die Corona-Krise bringt Teile der Schweizer Wirtschaft und damit auch die DSAG-Mitgliedsunternehmen in finanzielle Nöte. Gleichzeitig beschleunigt sie jedoch maßgeblich die Digitalisierung. Das ergab eine Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG). Demnach erwarten über zwei Drittel der Befragten wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise auf den Umsatz ihres Unternehmens. Gleichzeitig gab das Gros der Schweizer Befragten an, dass die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung in den Unternehmen durch die Krise zunehmen.

Zwar haben die Lockerungen der Corona-Massnahmen positive Effekte auf die Schweizer Wirtschaft, doch eine Normalisierung ist noch weit entfernt. „Aus Sicht der Industrie müssen wir befürchten, dass die Krise erst begonnen hat. Zusätzlich hat die Schweiz als Exportland die Herausforderung, dass die internationale Konjunktur ebenfalls unter der Pandemie leidet“, erläutert Christian Zumbach, DSAG-Fachvorstand Schweiz. Laut DSAG-Umfrage gaben 76 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 74 Prozent) an, dass ihr Umsatz zurückgeht bzw. sogar stark zurückgeht. Bei keinem Unternehmen (DACH: 7 Prozent) steigt er und lediglich bei einem knappen Viertel (DACH: 19 Prozent) scheint die Krise sich nicht auszuwirken.

IT-Budgets für 2021 trotz Krise konstant

Anders als vor diesem Hintergrund zu erwarten wäre, entwickeln sich die IT-Budgets für 2021 in den meisten Unternehmen jedoch nicht rückläufig. 74 Prozent (DACH: 76 Prozent) der Schweizer Unternehmen gaben an, dass keine Veränderung für ihr IT-Investitionsbudget 2021 vorgesehen ist. Bei 26 Prozent (DACH: 16 Prozent) ist das Budget rückläufig um über 20 Prozent. Eine Steigerung erwartet in der Schweiz niemand.

Schweizer Unternehmen treiben Digitalisierung weiter

Auch die Anforderungen bezüglich der Digitalisierung haben in den Unternehmen durch die Corona-Krise zugenommen. Das gaben 71 Prozent (DACH: 81 Prozent) der Schweizer Befragten an. „Die IT-Abteilungen mussten von heute auf morgen neue Prozesse etablieren, die Arbeit in virtuellen Teams ermöglichen und sicherstellen, dass der Datenfluss gewährleistet ist“, sagt der DSAG-Ländervorstand.

Vor diesem Hintergrund überrascht es auch nicht, dass mehr als die Hälfte der Befragten (DACH: 61 Prozent) angaben, dass sie verglichen mit dem Vorjahr bezogen auf die Digitalisierung Fortschritte gemacht haben. Und dennoch gaben 39 Prozent (DACH: 34 Prozent) an, nur langsam voranzukommen. 6 Prozent (DACH: 5 Prozent) sagten, dass sie gar nicht vorankommen oder derzeit andere Prioritäten haben. „Das passt zu den Ergebnissen des DSAG-Investitionsreports 2020. Schon Anfang des Jahres bewerteten über 60 Prozent der Befragten ihr Unternehmen als „nicht sehr weit“, wenn es um die digitale Transformation geht“, erinnert sich Christian Zumbach und ergänzt: „Insgesamt ist es aber eine Frage des eigenen Anspruchs und dessen, was unter digitaler Transformation verstanden wird.“

Effizienz bestehender Prozesse und Informationstransparenz steigern

Besonders dringenden Handlungsbedarf in ihren Unternehmen in Bezug auf die Digitalisierung im SAP-Kontext sehen 75 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 72 Prozent) darin, die Effizienz bestehender Prozesse zu steigern. Im Vorjahr genoss dies bei 72 Prozent (DACH: 62 Prozent) absolute Priorität. 2019 stand zudem neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln bei 41 Prozent (DACH: 40 Prozent) weit oben auf der Agenda. Auch hier ist in diesem Jahr ein Rückgang zu verzeichnen. 36 Prozent (DACH: 36 Prozent) räumen der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Services einen hohen Stellenwert ein.

Informationstransparenz zu schaffen, hat hingegen im Vergleich zum vergangenen Jahr an Relevanz gewonnen. Während 2019 noch 10 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 21 Prozent) die Informationstransparenz in ihrem Unternehmen bezogen auf die Digitalisierung im SAP-Kontext für steigerungswürdig erachteten, ist es dieses Jahr fast ein Drittel (DACH: 28 Prozent). 18 Prozent (DACH: 24 Prozent) halten es für notwendig, die Beziehung von Kunden und Partnern mittels Plattformstrategie zu flexibilisieren. „Die Pandemie hat den Digitalisierungsdruck im SAP-Kontext erhöht.  Intelligente Netzwerke aus Lieferanten und Partnern, übergreifende Prozesse und gemeinsame Datennutzung haben sich als essenziell herausgestellt“, ordnet Christian Zumbach ein.

In diesem Zusammenhang überrascht es auch nicht, dass 82 Prozent der Befragten aus der Schweiz (DACH: 58 Prozent) angaben, dass die Umsetzung einer Plattform-Strategie beschleunigt bzw. weiter konsequent vorangetrieben wird. „Integration, Erweiterungsfähigkeit, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und die Umsetzung von Innovationsprojekten gewinnen weiter an Bedeutung. Das haben die Unternehmen erkannt und deshalb arbeiten sie an ihren Plattform-Strategien“, sagt Christian Zumbach.

Vertrauen in SAP-Produktstrategie und -Roadmaps leicht gesunken

Im Zuge der Umfrage wurden die Teilnehmer auch gefragt, ob sie die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps im Hinblick auf Investitionssicherheit und Planbarkeit als belastbar ansehen und ihr vertrauen. Während sich hier 2019 noch 38 Prozent der Schweizer Mitglieder (DACH: 24 Prozent) von SAP gut informiert fühlten, empfinden dies in diesem Jahr nur noch 35 Prozent (DACH: 31 Prozent). Ebenfalls 35 Prozent (DACH: 42 Prozent) vertrauen der Produktstrategie teilweise. Letztes Jahr taten dies in der Schweiz noch 38 Prozent (DACH: 45 Prozent). Während 2019 etwa 24 Prozent der Umfrageteilnehmer (DACH: 31 Prozent) kein Vertrauen in die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps hatten, waren es dieses Jahr 29 Prozent (DACH: 27 Prozent). „Jetzt sind vorausschauende und verlässliche Informationen wichtiger denn je. SAP hat viel getan im Sinne der Anwender. Doch das ist noch nicht überall in den Unternehmen angekommen“, sagt Christian Zumbach. DSAG und SAP sind hier gleichermaßen gefordert, die DSAG-Mitglieder abzuholen und bei ihren Digitalisierungsbestrebungen zu unterstützen.

Krise beschleunigt S/4HANA-Projekte

Die DSAG hatte in einem Statement zu Corona vermutet, dass die Krise auch S/4HANA-Projekte ausbremsen könnte. Laut Umfrage trifft dies im DACH-Raum und in Österreich zu. In der Schweiz gaben jedoch nur 31 Prozent der Befragten an, dass S/4HANA-Projekte bzw. -Roadmaps verschoben oder sogar prinzipiell zurückgestellt werden. Im DACH-Raum trafen 43 Prozent der Befragten diese Aussage und in Österreich sogar 59 Prozent. Bei 66 Prozent der Schweizer Unternehmen (DACH: 50 Prozent) werden die S/4HANA-Projekte sogar beschleunigt oder zumindest konsequent vorangetrieben. „Für viele Unternehmen ist S/4HANA inzwischen als Basis für die digitale Transformation gesetzt, deshalb überrascht es nicht, dass nur für 3 Prozent S/4HANA kein Thema ist“, erläutert Christian Zumbach.

Digitalisierung der Kernprozesse ohne SAP undenkbar

Erstmals wurde im Rahmen der DSAG-Umfrage auch die Relevanz verschiedener Anbieter für die Digitalisierung der Kernprozesse auf der Anwendungsebene in unterschiedlichen Unternehmensbereichen abgefragt. Was die Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten anbelangt, weisen 84 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 72 Prozent) SAP die höchste Relevanz zu. An zweiter Position steht Microsoft mit 32 Prozent (DACH: 37 Prozent) und Google mit 13 Prozent (DACH: 6 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich hinsichtlich der Flexibilisierung der Lieferketten. Hier liegt SAP mit 74 Prozent (DACH: 65 Prozent) vor Microsoft mit 29 Prozent (DACH: 19 Prozent) und Amazon mit 13 Prozent (DACH: 9 Prozent). „Da 52 Prozent der Schweizer Befragten aus dem produzierenden Gewerbe stammen, überrascht dieses Ergebnis nicht. In der Fertigungsindustrie wird SAP zumeist umfassend eingesetzt und die Systeme sind über die Jahre gewachsen, weshalb die Unternehmen vermutlich auch planen, diese Kernprozesse mit SAP zu digitalisieren“, erläutert der DSAG-Fachvorstand.

Auch was die Finanz- und Zahlungsabwicklung anbelangt, nimmt SAP mit 81 Prozent (DACH: 77 Prozent) die Pole-Position ein, gefolgt von Microsoft mit 13 Prozent (DACH: 6 Prozent) und Amazon mit 10 Prozent (DACH: 5 Prozent). Wenn auch weniger deutlich, gilt dasselbe beim Thema Produktentwicklung. Hier bescheinigen 55 Prozent der Umfrageteilnehmer (DACH: 33 Prozent) SAP hohe bzw. sehr hohe Relevanz. An zweiter Stelle steht hier Microsoft mit 26 Prozent (DACH: 26 Prozent) und an dritter Position folgt Amazon mit 13 Prozent (DACH: 5 Prozent). Die größte Konkurrenz bietet sich SAP laut Umfrage beim Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. Hier hat SAP für 61 Prozent der Schweizer Befragten (DACH: 65 Prozent) keine bzw. nur geringe Relevanz. Lediglich 16 Prozent (DACH: 14 Prozent) halten SAP hier für relevant. 13 Prozent (DACH: 11 Prozent) sagten dies über Microsoft und 10 Prozent (DACH: 5 Prozent) über Google.

SAP für die Digitalisierung von HR-Prozessen sehr relevant

Weit voraus in Sachen Relevanz ist SAP aus Sicht der Schweizer Unternehmen jedoch bei den HR-Prozessen. Hier setzten 81 Prozent (DACH: 66 Prozent) SAP an die erste Stelle. Auf Platz 2 folgen andere Anbieter mit 26 Prozent (DACH: 24 Prozent) und an dritter Stelle liegt Microsoft mit 23 Prozent (DACH: 9 Prozent). „Seitdem die Kunden die On-Premise-Lösungen für das Personalwesen SAP Human Capital Management und Travel Management für das Reisekosten-Management integriert in S/4HANA betreiben können, herrscht Planungssicherheit. Das überzeugt die Kunden“, so Christian Zumbach. Diese Planungssicherheit wünscht sich die Interessenvertretung auch in anderen Bereichen. Deshalb wird die DSAG auch weiterhin im konstruktiv-kritischen Dialog mit SAP stehen, um gemeinsam auf verlässliche Produkt- und Technologiestrategien als Grundlage für Investitionssicherheit und Planbarkeit sowie belastbare Roadmaps und Migrationspfade hinzuarbeiten.

*Erhebungsgrundlage der Umfrage
Die DSAG hat im Sommer eine Online-Umfrage bei SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Befragt wurden CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Knapp die Hälfte der Befragten kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 5.000 Mitarbeitern. Knapp ein Drittel aus Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten. Insgesamt nahmen 262 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen an der Umfrage teil. Aus der Schweiz beteiligten sich 31 Unternehmen. Befragt wurde jeweils ein Ansprechpartner pro Unternehmen.