DSAG-Investitionsreport 2020

Österreichs SAP-Anwender treiben digitale Transformation mit S/4HANA voran

Wien/Walldorf, 23.01.2020 -

Auch 2020 sind Investitionen in SAP-Software bei den österreichischen Unternehmen fest eingeplant. Das hat der Investitionsreport 2020* der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) ergeben. Die Relevanz von S/4HANA wächst, bei den Platform-as-a-Service-Lösungen (PaaS) konkurrieren vor allem SAP und Microsoft Azure um die Gunst der Anwender. Bei den Digitalisierungsbestrebungen in ihren Unternehmen bleiben die Österreicher skeptisch.

Investitionen in die IT stehen auch 2020 auf der Agenda vieler österreichischer Unternehmen. Bei 44 Prozent (DACH: 46 Prozent) der Befragten des DSAG-Investitionsreports 2020 steigt das Budget. Durchschnittlich steigt es über alle österreichischen Unternehmen hinweg um zirka 1,5 Prozent (DACH: 4 Prozent). „Die generell hohe Investitionsbereitschaft ist bemerkenswert, insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftlich angespannte Gesamtsituation“, so DSAG-Ländervorstand Walter Schinnerer. Bei 20 Prozent (DACH: 19 Prozent) sinken die Budgets, bei 36 Prozent bleiben sie gleich (DACH: 35 Prozent). „Im Vorjahr sank das Budget für allgemeine IT-Investitionen in Österreich bei 7 Prozent der Befragten. Die Entwicklung sehe ich kritisch. Es bleibt zu hoffen, dass die Budget-Kürzungen nicht zur Innovationsbremse werden“, Walter Schinnerer.

SAP-Investitionsbudgets steigen weiter

Bezogen auf SAP ist der Investitionswille der Österreicher hingegen weiter ungebrochen. Bei 52 Prozent (DACH: 49 Prozent) der Unternehmen steigen die SAP-Investitionen. „Das ist ein Indiz dafür, dass die SAP-Anwender das Gefühl zurückgewinnen, dass der Software-Hersteller den Bestandskundenmarkt wieder stärker in den Fokus rückt“, erläutert Walter Schinnerer und ergänzt: „Das neue SAP-Führungsduo hat erkannt, dass erfolgreiche und zufriedene Kunden ihr Kapital sind. Dementsprechend gehen wir davon aus, dass sich SAP künftig wieder stärker auf die individuellen Herausforderungen ihrer Kunden konzentriert.“ Das gilt jedoch nicht für alle Bereiche. Über alle befragten Branchen hinweg, bleibt das Budget bei 28 Prozent gleich (DACH: 32 Prozent). Es sinkt bei 20 Prozent der Befragten (DACH: 19 Prozent). Insbesondere bei produzierenden Unternehmen sinkt das Budget. Das gaben 25 Prozent der Befragten (DACH: 24 Prozent) an. Ein Grund könnte hierfür die wirtschaftliche Entwicklung sein, die z. B. die Automobilindustrie vorsichtiger in die Zukunft schauen lässt.

Investitionsrelevanz von S/4HANA wächst

Verglichen mit dem DSAG-Investitionsreport 2019 wird in diesem Jahr bezogen auf die ERP-Lösungen noch deutlicher: Österreichische Unternehmen setzen für die Zukunft auf S/4HANA. Hohe und mittlere Investitionen in die Business Suite als ERP-Lösung gehen stark zurück. Während 2019 noch 43 Prozent (DACH: 43 Prozent) die Business Suite für investitionsrelevant hielten, sind es 2020 noch 23 Prozent (DACH: 35 Prozent). Im Gegenzug steigt die Investitionsbereitschaft für S/4HANA. Wollte hier 2019 noch 32 Prozent (DACH: 42 Prozent) investieren, sind es in diesem Jahr bereits 46 Prozent (DACH: 52 Prozent).

„Die Berater haben inzwischen mehr Erfahrung mit S/4HANA-Einführungen. Das lässt die Unternehmen sicherlich mutiger werden“, so Walter Schinnerer. Laut DSAG-Investitionsreport 2020 haben lediglich 4 Prozent der Befragten (DACH: 13 Prozent) noch keine Entscheidung hinsichtlich S/4HANA getroffen. Insgesamt 8 Prozent (DACH: 10 Prozent) der Unternehmen haben S/4HANA bereits im Einsatz. Das sind doppelt so viele wie 2019. In den nächsten drei Jahren wollen 58 Prozent (DACH: 40 Prozent) S/4HANA einführen. Den Vorzug geben die Befragten hierbei der Einführung mit einem Brownfield-Ansatz. Beim Brownfield-Ansatz wird von einem vorhandenen ERP-System auf S/4HANA migriert. Die Brownfield-Migration setzt eine hohe Stammdatenqualität voraus und kann z. B. hinsichtlich der Analyse der Eigenentwicklungen verschiedene Fallstricke bereithalten.

„DSAG und SAP haben zu S/4HANA viel und gut informiert. Das zahlt sich jetzt aus“, so Walter Schinnerer. Dennoch müsse noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden: „Die S/4HANA-Welt ist komplex und jeder Designfehler kostet Geld. SAP muss die Unternehmen unterstützen hinsichtlich der Planung und Realisierung zukunftsfähiger und integrierter Applikationen sowie deren Zusammenspiel in hybriden Landschaften unter Berücksichtigung der verschiedenen digitalen Innovationen“, fordert Walter Schinnerer.

Grenzen für die Cloud

Strategisch sieht SAP vor, dass Prozesse möglichst in der Cloud laufen. „Hier ist es die Aufgabe der DSAG, Grenzen aufzuzeigen und SAP wieder näher an die Bestandskunden zu bringen“, sagt der DSAG-Ländervorstand. Laut Investitionsreport planen die österreichischen Unternehmen für die folgenden SAP-Cloud-Lösungen „hohe und mittlere“ Investitionen:

  • SuccessFactors: 19 Prozent (DACH: 14 Prozent)
  • Ariba: 12 Prozent (DACH: 8 Prozent)
  • C/4HANA: 8 Prozent (DACH: 11 Prozent)
  • SAP Analytics Cloud: 4 Prozent (DACH: 13 Prozent)
  • Concur: 4 Prozent (DACH: 7 Prozent)

Für die Cloud-Lösungen Fieldglass, Integrated Business Planning, Qualtrics und SAP Jam sind keine Investitionen vorgesehen. „Bedenken gibt es hinsichtlich der SAP-Cloud-Lösungen z. B. in der Öffentlichen Verwaltung, der Gesundheitsbranche und in der Fertigungsindustrie. Die Anwender benötigen mehr Erklärung und frühere Informationen. Hier sind DSAG und SAP gleichermaßen gefordert“, erläutert der DSAG-Ländervorstand.

Deutliche Tendenzen bei Applikations-Plattformen

Danach gefragt, inwieweit verschiedene Applikations-Plattformen als Platform-as-a-Service-Lösungen (PaaS) für die DSAG-Mitgliedsunternehmen relevant sind, zeigt sich, dass in Österreich vor allem Microsoft Azure in deutlichem Wettbewerb zu SAP steht. 16 Prozent der Befragten (DACH: 24 Prozent) planen mittlere und hohe Investitionen für die Microsoft-Azure-Plattform ein. In die SAP Cloud Platform wollen 15 Prozent (DACH: 14 Prozent) investieren – in eigene PaaS-Lösungen 12 Prozent (DACH: 7 Prozent), in Amazon Web Services und in andere Plattformen 4 Prozent (DACH: 8 Prozent und 7 Prozent). „Diese Entwicklung ist aus Sicht der DSAG nicht neu. Ein Grund könnte sein, dass Unternehmen Microsoft Azure vorrangig zur Digitalisierung einsetzen und die SAP Cloud Platform eher als Plattform für Lösungen von SAP. Generell sind wir als DSAG beim Thema Hyperscaler aber bereits gut aufgestellt, um unsere Mitgliedsunternehmen unterstützen zu können“, so Walter Schinnerer.

Digitale Transformation bleibt Herausforderung

Neben einzelnen Produktbereichen erfasst die Umfrage auch den Status quo der Unternehmen bei der digitalen Transformation – unabhängig von und ohne direkten Bezug zu SAP. Eine große Herausforderung sehen die österreichischen Unternehmen weiterhin in der digitalen Transformation. 43 Prozent (DACH: 35 Prozent)  bewerten den Status zur digitalen Transformation mit „weit/sehr weit“. Im Jahr 2018 waren es noch 64 Prozent (DACH: 45 Prozent). „Erfreulicher ist, dass nur noch 52 Prozent der Befragten ihr Unternehmen als „nicht sehr weit“ bei der digitalen Transformation bewerten. Das sind 15 Prozent weniger als noch im vergangenen Jahr“, so Walter Schinnerer. Im gesamten DACH-Raum sind es 63 Prozent.

Einen Grund sieht der Österreich-Vorstand im Engagement von DSAG und SAP: „Wir haben viel getan, um die Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Welt zu unterstützen. Ein Beispiel ist der erreichte Meilenstein bei der indirekten Nutzung.“ Auf Drängen der SAP-Anwender bietet SAP ihren Kunden mehrere Optionen an, um die indirekte Nutzung, also den Zugriff von Drittsystemen auf SAP-Anwendungen, adäquat abzubilden und zu verrechnen. Zu einem atmenden, in beide Richtungen skalierbaren Lizenzmodell, das sich am Business-Nutzen orientiert, befindet sich die DSAG bereits in konstruktiv-kritischem Dialog mit dem Software-Hersteller.

Fachkräfte und Berater fehlen

Befragt nach den Hindernissen für die digitale Transformation nannten 80 Prozent (DACH: 77 Prozent) der österreichischen Umfrageteilnehmer fehlende Ressourcen sowohl im eigenen Unternehmen als auch auf Beraterseite. Bei dieser Frage war eine Mehrfachauswahl möglich. Weitere Hemmschuhe sind für 65 Prozent fehlendes Know-how (DACH: 60 Prozent), für 57 Prozent eine aufwendige Integration (DACH: 68 Prozent) und für 54 Prozent (DACH: 47 Prozent) der fehlende Business-Case. Fehlende Technologien hingegen werden nur von 16 Prozent (DACH: 29 Prozent) als Hinderungsgrund angegeben. „Vielmehr kritisieren die Anwenderunternehmen teils fehlende Funktionalitäten der neuen Lösungen“, erläutert Walter Schinnerer. Das gaben 54 Prozent der Befragten (DACH: 45 Prozent) an.

DSAG-Mitgliedsunternehmen auf gutem Weg

Die Digitalisierung schreitet bei den DSAG-Mitgliedsunternehmen weiter voran. Die Zahl der realisierten S/4HANA-Projekte wächst und die Unternehmen akzeptieren mehr und mehr die Transformations-Roadmap von SAP. „Dennoch muss jedes Unternehmen den Weg zum „intelligenten Unternehmen“ weiterhin individuell gehen – mit einer passenden Taktung bzw. Geschwindigkeit und mit den richtigen Produkten. Dass das nicht überall von heute auf morgen funktionieren wird, ist selbsterklärend“, so Walter Schinnerer. Insgesamt spielt es aus Sicht der DSAG auch keine Rolle, ob die Zukunft S/4HANA, autonome ERP-Systeme oder ein ECC 6.0 vorsieht. Viel wichtiger ist, dass die Umstellung des ERP-Systems jetzt für die nächste Zeit eingeplant wird. Ob das vor, parallel oder nach einer digitalen Transformation geschieht, ist nur von den eigenen Umständen abhängig. Generell sind die österreichischen Unternehmen hier aber auf einem sehr guten Weg, fasst der DSAG-Ländervorstand zusammen.

Von SAP wünschen wir uns für unsere Mitglieder daher als Anwenderverband noch mehr Unterstützung und klare Definitionen der Produktlandschaften für die unterschiedlichen Unternehmensszenarien. Um zum Beispiel zukunftsfähige und integrierte Applikationen sowie deren Zusammenspiel in hybriden Landschaften unter Berücksichtigung der verschiedenen digitalen Innovationen besser auf die eigene Zielarchitektur hin planen und realisieren zu können.

*Erhebungsgrundlage der Umfrage

Die DSAG hat im Dezember19/Januar20 eine Online-Umfrage zu geplanten Investitionen für das Jahr 2020 ausschließlich bei SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Pro Unternehmen wurde nur eine Person befragt. 288 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der Umfrage teil. Über die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 2.500 Mitarbeitern. Aus Österreich nahmen 26 Unternehmen teil.

 

Jetzt ansehen: Aufzeichnung der Pressekonferenz zum DSAG-Investitionsreport 2020

 

 

Über DSAG

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) ist einer der einflussreichsten Anwenderverbände der Welt. Mehr als 60.000 Mitglieder aus über 3.700 Unternehmen bilden ein starkes Netzwerk, das sich vom Mittelstand bis zum DAX-Konzern und über alle wirtschaftlichen Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) erstreckt. Auf Basis dieser Reichweite gewinnt der Industrieverband fundierte Einblicke in die digitalen Herausforderungen im DACH-Markt. Die DSAG nutzt diesen Wissensvorsprung, um die Interessen der SAP-Anwender zu vertreten und ihren Mitgliedern den Weg in die Digitalisierung zu ebnen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dsag.de, www.dsag.at, www.dsag-ev.ch

 

 

Schlagworte