Walldorf, 21.01.2021 – Das Gesamtbudget für IT-Investitionen steigt auch in Zeiten der Corona-Krise in 2021 bei 39 Prozent der DSAG-Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleiches gilt für die Investitionen in SAP-IT bei 43 Prozent der Unternehmen. Das hat der Investitionsreport 2021* der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) ergeben. Leicht steigende Zahlen zeichnen sich auch beim Umstieg auf S/4HANA ab. Lediglich bei der Drei-Jahresplanung sind die Unternehmen etwas vorsichtiger mit ihren Investitionsprognosen. Gleiches gilt im Hinblick auf die Lizenzstrategie in Bezug auf S/4HANA. Hier haben viele Unternehmen noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Krise auf die Unternehmen waren im letzten Jahr überdeutlich spürbar. Viele haben wichtige Erfahrungen mit der Gesamtsituation und deren direkten Konsequenzen gemacht. Aber sie haben auch schnell daraus gelernt, was die Perspektive für 2021 in einem positiven Licht erscheinen lässt. So hat der DSAG-Investitionsreport ergeben, dass das Budget für allgemeine Investitionen in die IT in diesem Jahr bei 39 Prozent (2020: 46 Prozent) der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) steigt. Bei etwas weniger als einem Drittel davon um zwischen zehn und 20 Prozent. 37 Prozent erwarten eine gleichbleibende Quote. 18 Prozent der Befragten gaben sinkende Werte an, bei 44 Prozent davon ebenfalls um zwischen zehn und 20 Prozent. Bei der Sommerumfrage zur DSAGLIVE gaben sogar 22 Prozent aller Befragten an, dass sie einen Rückgang um über 20 Prozent erwarten.

Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender

„Die Zahlen belegen, dass die pessimistische Stimmung vom Sommer letzten Jahres mittlerweile einem verhaltenen Optimismus gewichen ist. Zwar steigen die Budgets weniger stark als noch im Vorjahr, aber innerhalb der letzten Monate haben sich die Erwartungen von sinkenden Budgets leicht erholt. Das lässt optimistisch in die Zukunft schauen“, kommentiert Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG, dieses Ergebnis.

Weiter aufwärts bei S/4HANA-Investitionen

Was die SAP-Investitionen betrifft, wollen 43 Prozent der Befragten mehr investieren, ein leichter Rückgang zum Investitionsreport 2020 mit 49 Prozent. Sinken werden die Budgets für SAP bei 18 Prozent der Befragten, 2020 waren es 19 Prozent. Bei 35 Prozent bleiben die Investitionen gleich (2020: 32 Prozent). Im produzierenden Gewerbe steigt das Budget bei 47 Prozent (2020: 46 Prozent), bei Dienstleistern und im Handel bei 40 Prozent (2020: 47 Prozent) der Unternehmen. „Der Rückgang im Sektor Dienstleistungen und Handel könnte ein klares Indiz für die direkten Auswirkungen der Corona-Krise in diesem Bereich sein“, erläutert Jens Hungershausen.

Weiter aufwärts geht es mit der Quote der Investitionen in ERP-Lösungen. S/4HANA ist dabei weiter auf dem Vormarsch. 44 Prozent planen hohe und mittlere Investitionen in S/4HANA On-Premise und nur noch 25 Prozent dasselbe in die Business Suite. Im Vergleich zu 2020 bedeutet das einen weiteren Rückgang um 10 Prozentpunkte bei den hohen und mittleren Investitionen in die Business Suite. Der Wert für S/4HANA On-Premise ist mit 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Die S/4HANA Cloud hingegen ist erst für 12 Prozent ein Thema für hohe und mittlere Investitionen (2020: 8 Prozent). „Hier spielen vermutlich die Vorbehalte noch eine Rolle, sensible Firmendaten in die Cloud zu stellen. Die speisen sich zum einen sicherlich aus der europäischen Mentalität zum anderen aber auch aus den strikten Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung“, ordnet Jens Hungershausen ein.

Weitere Steigerung bei S/4HANA

Beim Umstieg auf S/4HANA hatten im vergangenen Jahr 13 Prozent der Befragten noch keine Entscheidung getroffen, das ist auch in diesem Jahr der Fall. Gleichzeitig haben 14 Prozent S/4HANA bereits im Einsatz (2020: 10 Prozent) und weitere 10 Prozent (2020: 9 Prozent) planen den Umstieg für dieses Jahr. In den kommenden drei Jahren planen zudem 39 Prozent (2020: 40 Prozent) auf S/4HANA zu setzen. „Es geht kontinuierlich voran mit dem Umstieg. Aber er will auch gut geplant sein. Da ist eine gewisse Zurückhaltung in diesen unsicheren Zeiten verständlich“, ordnet Jens Hungershausen das Ergebnis ein. Dennoch ist es wichtig, weiterhin mit SAP im Dialog zu S/4HANA zu stehen und dass die Lösung konsequent weiterentwickelt wird. „Es gibt noch auszuschöpfendes Potenzial – z. B. hinsichtlich der Abgrenzung von On-Premise zur Cloud oder der reibungslosen Integration. Gleichzeitig ist notwendig, dass die wichtigsten Funktionen End-to-End abgebildet sind“, ist Jens Hungershausen überzeugt.

Lizenzstrategie teilweise noch offen

Bei der Umfrage zum Investitionsreport 2021 wurde erstmals die Lizenzstrategie der Unternehmen beim Umstieg auf S/4HANA ermittelt. 22 Prozent der Befragten gaben an, in ihrem bestehenden Lizenzmodell zu bleiben, also eine Product-Conversion durchzuführen. Weitere 12 Prozent wollen zunächst im bestehenden Lizenzmodell bleiben und zu einem späteren Zeitpunkt per Contract-Conversion in das S/4HANA-Lizenzmodell wechseln. 13 Prozent wechseln direkt. Noch keine Entscheidung bezüglich des Umstiegs haben 39 Prozent getroffen. „Die hohe Quote derer, die sich noch nicht entschieden haben, könnte auf eine gewisse Unsicherheit bezüglich des richtigen Weges zurückzuführen sein. Beim Wechsel in die S/4HANA-Welt verändert sich ja auch die Produkt- und Lizenzmetrik“, ist Jens Hungershausen überzeugt. Bei einer Lizenzkonvertierung warten zudem auf die Kunden gleich mehrere Herausforderungen, weshalb mehr Flexibilität bei der Lizenzierung wünschenswert wäre.

Cloud-Lösungen für mehr Flexibilität

Trotz Cloud-first-Strategie von SAP halten sich die Investitionen in entsprechende Lösungen noch in überschaubaren Grenzen. Laut Investitionsreport sind auf den ersten drei Plätzen des Ranking für 2021 hohe und mittlere Investitionen in folgende SAP-Cloud-Lösungen geplant:

  • SAP Analytics Cloud: 14 Prozent (2020: 13 Prozent)
  • SuccessFactors: 15 Prozent (2020: 14 Prozent)
  • SAP Customer Experience: 8 Prozent (2020: 11 Prozent)

Es folgen Ariba und SAP Integrated Business Planning mit jeweils 8 Prozent und Concur mit 6 Prozent. Mit leichtem Abstand bilden die Industry Cloud (2 Prozent), Qualtrics (2 Prozent) und Fieldglass (1 Prozent) das Schlusslicht. „Der Spitzenplatz der SAP Analytics Cloud überrascht nicht. Analysefähigkeiten, um schnell aussagekräftige Auswertungen aus allen relevanten Bereichen erstellen zu können, sind in Zeiten, in denen Flexibilität in den Prozessen und Entscheidungen gefordert ist, ein hohes Gut“, kommentiert Jens Hungershausen das Ergebnis. Die Quote von 15 Prozent für SuccessFactors könnte ein Indiz dafür sein, dass einige Unternehmen mit dem Umstieg noch warten. „Die Tatsache, dass ab 2022 die Lösung für das Personalwesen SAP Human Capital Management (SAP HCM) auch integriert in S/4HANA betrieben werden kann, spielt sicherlich bei einigen Unternehmen eine wichtige Rolle, die nicht direkt zu einer Cloud-Lösung wechseln wollen“, so der DSAG-Vorstandsvorsitzende.

Ausbaufähig ist auch die Stellung der Applikationsplattformen als Platform-as-a-Service in den Unternehmen. Hier liegt Microsoft Azure mit 27 Prozent (2020: 24 Prozent) bei den hohen und mittleren Investitionen klar vor der SAP Business Technology Platform mit 17 Prozent (2020: 14 Prozent) und anderen PaaS-Anbietern mit 7 Prozent (2020: 7 Prozent). Amazon Web Services folgt auf dem vierten Platz mit 6 Prozent (2020: 8 Prozent).

Die Digitalisierung nimmt Fahrt auf

Was die Fortschritte der Unternehmen bei der Digitalisierung – unabhängig von und ohne direkten Bezug zu SAP – betrifft,  sehen sich 41 Prozent der Unternehmen als „weit/sehr weit“. Das sind 9 Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr. Befragt nach der Relevanz von Investitionen in einzelnen Bereichen, planen 63 Prozent für die Effizienzsteigerung bestehender Prozesse hohe und mittlere Investitionen. Im Sommer zur DSAGLIVE-Umfrage waren es 72 Prozent, die hier Handlungsbedarf gesehen haben. Es folgt im Ranking die Schaffung von Informationstransparenz mit 47 Prozent (DSAGLIVE: 28 Prozent). Die Flexibilisierung der Beziehungen von Kunden und Partnern sind 26 Prozent der Befragten hohe und mittlere Investitionen wert (DSAGLIVE: 24 Prozent). Und für die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Services wollen 34 Prozent (DSAGLIVE: 36 Prozent) hohe und mittlere Investitionen tätigen. „Das zeigt, deutlich, dass bei zwei Drittel der Unternehmen immer noch im Vordergrund steht, das Bestehende zu optimieren, anstatt innovativ in neuen Szenarien zu denken. So verwundert es nicht, dass bei den Innovationsthemen mit Big Data/Data-Intelligence und Cloud-Computing die ersten beiden Plätze unverändert sind. Erst auf dem dritten Rang hat Robotic-Process-Automation (RPA) die Künstliche Intelligenz abgelöst“, so Jens Hungershausen.

Fazit

Die Corona-Pandemie hat im Jahr 2020 zweifellos tiefe Spuren hinterlassen. Aber es macht sich verhaltener Optimismus breit, was sich auch in steigenden IT- und SAP-Investitionen widerspiegelt, was auch dahingehend begründet sein kann, dass die Corona-Pandemie die Notwendigkeit von Investitionen bewusst macht. Die Digitalisierung schreitet voran und mit ihr der Trend, auf S/4HANA umzusteigen, wenn auch noch etwas verhalten. Damit rückt auch die Lizenzstrategie verstärkt in den Fokus. Hier herrscht offensichtlich noch ein erheblicher Aufklärungsbedarf bei den Unternehmen. Der Interessenverband wird alles dafür tun, im Sinne der Anwenderunternehmen zu agieren und gemeinsam mit SAP adäquate Lizenzlösungen für den Weg von der ‚alten‘ in die ‚neue‘ Welt zu finden. Die Akzeptanz der Cloud-Lösungen in den Unternehmen ist weiter ausbaufähig. Und auch die Plattformstrategien leiden unter der Tatsache, dass vielerorts die Effizienzsteigerung bestehender Prozesse immer noch dominiert über die Entwicklung innovativer digitaler Geschäftsmodelle und Services.

 

*Erhebungsgrundlage der Umfrage
Die DSAG hat vom November 2020 bis Januar 2021 eine Online-Umfrage zu geplanten Investitionen für 2021 ausschließlich bei Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Pro Unternehmen wurde nur eine Person befragt. 244 CIOs, Leiter von Competence Centern (CC) und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der Umfrage teil. Knapp die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 2.500 Mitarbeitern. Aus Gründen der Transparenz werden an einigen Stellen teilweise anders als in den Vorjahren „Keine Angabe“ und „Ich weiß nicht“ mit ausgewiesen.

Aufzeichnung der Pressekonferenz

Die Aufzeichnung zur DSAG-Investitionsreport-Pressekonferenz 2021 finden Sie hier.



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