Walldorf, 20.09.2021 – Der digitale Wandel findet statt. Aber die COVID19-Pandemie hat Wirtschaft und Gesellschaft vorhandene Defizite vor Augen geführt. Noch werden die Potenziale der Digitalisierung nicht ausgeschöpft. Umsätze und IT-Budgets sind insgesamt durch die Pandemie nicht so stark betroffen, wie im letzten Jahr noch gedacht, so eine aktuelle Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) unter ihren Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die gute Nachricht vorneweg: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise waren bei vielen DSAG-Mitgliedern in Österreich geringer als zunächst befürchtet. Ging im Jahr 2020 laut DSAG-Umfrage der Umsatz noch bei 88 Prozent (DACH:  74 Prozent) der befragten Unternehmen zurück, sind es in diesem Jahr nur noch 29 Prozent (DACH: 42 Prozent)  Zudem steigt der Umsatz bei 33 Prozent (DACH: 29 Prozent), das sind 21 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr (2020: zwölf Prozent, DACH: sieben Prozent). Keine Auswirkungen der Pandemie auf ihren Umsatz konnten 38 Prozent (2020: 0 Prozent) der Befragten feststellen (DACH: 29 Prozent, 2020: 19 Prozent).


Was die IT-Budgets betrifft, hatten im letzten Jahr lediglich sechs Prozent der Befragten (DACH: zwei Prozent) eine Steigerung von über 20 Prozent erwartet. Dies ist in diesem Jahr bei fünf Prozent (DACH: sechs Prozent) der Teilnehmenden auch eingetreten. Budgetkürzungen von über 20 Prozent hatten im letzten Jahr noch 18 Prozent (DACH: 22 Prozent) erwartet. In dieser Größenordnung ins Negative verändert hat sich das Budget aber nur bei fünf Prozent (DACH: sechs Prozent) der Umfrageteilnehmer. „Diese positive Entwicklung sollte den Unternehmen Zuversicht geben. Es gilt nun, nicht zurückzuschauen, sondern nach vorne gerichtet zu gestalten“, erläutert Walter Schinnerer, Fachvorstand Österreich der DSAG.

Walter Schinnerer, DSAG-Fachvorstand Österreich

Digitales Dilemma

Dennoch hat die Krise zu einem digitalen Dilemma geführt. Aktuell sind viele Unternehmen im Spagat zwischen der Existenzsicherung im Heute und der Vorbereitung auf das Morgen. Zuversichtlich, mit der Digitalisierung schnell voranzukommen, sind 56 Prozent (DACH: 54 Prozent). Vor einem Jahr waren es allerdings noch 74 Prozent (DACH: 61 Prozent). Die Zahl derer, die nur langsam vorankommen, ist auf 35 Prozent (DACH: 38 Prozent) gestiegen (2020: 21 Prozent. DACH: 34 Prozent). Neun Prozent (DACH: acht Prozent) geben an, nicht voranzukommen bzw. andere Prioritäten zu setzen (2020: fünf Prozent, DACH: fünf Prozent). „Noch fehlt der Mut zu Veränderungen. Dass der Schwung von 2020 nachgelassen hat, dürfte mit fehlendem Handlungsdruck zusammenhängen, durch den eventuell auch überlebensnotwendige Innovationen ausgebremst werden“, so Walter Schinnerer.


Intelligente Vernetzung

Wie der Fortschritt in Bezug auf die Integration von SAP-Anwendungen in Cloud- und Hybrid-Umgebungen aussieht, war ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage. SAP hatte 2019 eine entsprechende Vision vorgestellt, die Voraussetzung für effiziente End-to-End-Prozesse. Aber nur 21 Prozent der befragten Unternehmen, die hier eine Einschätzung abgegeben haben, beurteilen den Stand der Integration von SAP-Anwendungen, Partner- und Third-Party-Lösungen mit gut, 36 Prozent mit befriedigend, jeweils 21 Prozent mit ausreichend bzw. mangelhaft. „SAP ist bei der Integration bereits ein gutes Stück vorangekommen, muss aber noch deutlich nachlegen“, kommentiert Walter Schinnerer das Ergebnis.

Handlungsbedarf bei der Harmonisierung

Bei den Suite-Qualitäten in Bezug auf die SAP-zu-SAP-Integration werden die vordefinierten End-to-End-Prozesse von sechs Prozent als sehr gut und von 13 Prozent als gut betrachtet. Durchgängige Sicherheit bewerten 56 Prozent als gut (DACH:48 Prozent) vor dem Integrierten Reporting (44 Prozent, DACH: 32 Prozent) und der Abgestimmten Produktwartung (38 Prozent, DACH: 31 Prozent). Es folgen der Standardisierte Workflow mit 27 Prozent (DACH: 19 Prozent) und die Einheitliche Benutzeroberfläche mit 22 Prozent (DACH: 28 Prozent). Die harmonisierten Datenmodelle werden nur von 13 Prozent (DACH: 16 Prozent) der Unternehmen, die hier eine Einschätzung abgegeben haben, mit gut bewertet. „Harmonisierte Datenmodelle sind für die intelligente, anwendungsübergreifende Vernetzung und Integration essenziell. Dass nur 13 Prozent der befragten Unternehmen diese mit sehr gut und gut bewerten, zeigt: Es gibt weiterhin großen Handlungs- und Aufklärungsbedarf. Was die teilweise sehr gute Beurteilung der End-to-End-Prozesse angeht: Diese dürfte umso wahrscheinlicher sein, je einfacher die Systemlandschaft aussieht, innerhalb derer die Prozesse genutzt werden“, erläutert Walter Schinnerer.  

Investition in die digitale Zukunft

Eine mögliche technologische Basis für die Transformation der Geschäftsprozesse ist S/4HANA. Das ERP-System gewinnt laut einer gemeinsamen Umfrage von DSAG und Americas‘ SAP Users‘ Group (ASUG) vom April und Mai 2021 weiter an Bedeutung. 44 Prozent der befragten DSAG-Mitglieder haben entweder S/4HANA-Projekte gestartet oder sind damit produktiv – eine deutliche Steigerung um neun Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr (35 Prozent). Zudem ist der Anteil der Unternehmen, die planen, S/4HANA einzuführen, damit aber noch nicht begonnen haben, um zehn Punkte auf 37 Prozent gesunken. Lediglich neun Prozent planen nicht mit S/4HANA. Walter Schinnerer: „Unter den österreichischen DSAG-Mitgliedern sehe ich eine ebenfalls positive Tendenz, derzufolge sich zunehmend mehr Unternehmen mit der Einführung von S/4HANA auseinandersetzen und auch teilweise bereits entsprechende Projekte gestartet haben bzw. planen dies zu tun. Die intensive Aufklärungsarbeit von DSAG und SAP scheint sich hier langsam auszuzahlen.“

Cloud: Ohne Wenn und Aber

Für die SAP-Kunden ist die Cloud wichtig, denn sie ist ohne Wenn und Aber die Zukunft. Auch das zeigt die aktuelle ASUG-DSAG-Umfrage. Demnach stehen 46 Prozent der DSAG-Mitglieder in DACH der Cloud generell positiv gegenüber. Zudem beurteilen 26 Prozent ihre Einstellung als weder positiv noch negativ und weitere 27 Prozent negativ. „Ich nehme unter den österreichischen DSAG-Mitgliedern wahr, dass sich positive, negative und eine neutrale Einstellung so ziemlich die Waage halten. Eine eher positive Auffassung zu diesem Thema – wie in der ASUG-DSAG-Umfrage ermittelt – sehe ich für Österreich aktuell noch nicht“, erläutert Walter Schinnerer. 


Aber auch die Erfahrungen mit den Cloud-Lösungen spielen eine größere Rolle. Nur 30 Prozent der DSAG-Mitglieder machen allgemein positive Erfahrungen im SAP-Bereich. Im Non-SAP-Bereich sind es hingegen 60 Prozent. „Die Situation bei den österreichischen DSAG-Mitgliedern sehe ich tendenziell ähnlich, vielleicht sogar noch etwas deutlicher in Richtung Non-SAP-Bereich als in der DACH-Region insgesamt. Der Weg in die Cloud muss schlicht und einfach sehr gut durchdacht werden. Die Gründe sind aber länderübergreifend identisch: Auch viele österreichische DSAG-Mitglieder fühlen sich bei den Themen Lizenzierung, Integration und Sicherheit noch nicht ausreichend von SAP abgeholt und unterstützen die Forderung der DSAG nach durchdachten und realisierbaren Konzepten. Damit wären sicher noch mehr Unternehmen von SAP zu überzeugen“, ergänzt der Fachvorstand.

Fazit

Die Herausforderungen des digitalen Wandels müssen jetzt mit Mut und Intelligenz angegangen und die Anstrengungen aufrechterhalten werden. Dass die Umsätze und IT-Budgets weniger stark zurückgegangen sind, als befürchtet, ist dafür das richtige Signal. Es gilt, die Bedeutung von Netzwerken und kooperativen Ansätzen weiter zu fördern. Das gelingt am besten, wenn Vertrauen entwickelt und Bedenken über Bord geworfen werden. SAP kann mit intelligenten und integrierten Lösungen dazu beitragen. Es sind gute, richtungsweisende und zukunftsfähige Ansätze, die SAP aufzeigt. Aber in vielen Bereichen braucht es noch detailliertere Konzepte und mehr zielführende Informationen, damit die Kunden beim Digitalen Wandel vollkommen auf SAP setzen können.

Erhebungsgrundlage

Im Zeitraum vom 25. Juni bis 15. Juli 2021 haben 173 DSAG-Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Umfrage teilgenommen. Es handelte sich dabei ausschließlich um Anwenderunternehmen, in denen jeweils nur eine Person an der Erhebung teilgenommen hat. Es wurden CIOs, CC-Leiter sowie weitere Ansprechpartner befragt. 51 Prozent der Unternehmen ordnen sich dem Produzierenden Gewerbe zu, 37 Prozent den Bereichen Dienstleistung und Handel. 12 Prozent weiteren Sektoren. Ihren Hauptsitz haben 70 Prozent der Unternehmen in Deutschland, sowie jeweils 13 Prozent in der Schweiz und in Österreich. Über ein Drittel der Unternehmen/Organisationen beschäftigt 500 bis 2.499 Mitarbeitende sowie 5.000 oder mehr Mitarbeitende, 15 Prozent 2.500 bis 4.999 Mitarbeitende und 14 Prozent bis 499 Mitarbeitende. Aus Österreich haben sich 23 Unternehmen an der Umfrage beteiligt.



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